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GTS MAGAZIN 1

71JUBILÄUMSAUSGABE S T U T T G A R T R O C K T ! gelaunten Tourguide. Wir verzichten in diesem Fall und lauschen lieber den nun folgenden Erklärungen. Nach und nach werden uns die verschiedenen Stationen näher gebracht. Aus den Gersten- gräsern wird durch Schroten Malz, bevor Enzyme ihre Arbeit im warmen Wasserbad daran beginnen. Einmaischen läutet hier also den ersten richtigen Schritt im Brauprozess ein. Dunkel tauchen Erinnerungen aus dem Bio-Leistungskurs auf. Doppelstundenlange Filme über den Brauprozess, Dia-Qualität, vorgetragen von dieser monotonen Stimme. Zurück im Jetzt ist alles interaktiv, unser Guide wird es nicht müde Erinnerungen aufzufrischen und eigentlich darf man auch alles anfassen. Zum Beispiel den Läuterböttich. Dabei versucht man nicht an diesem riesigen Gerät zu reiben, um Läuterung zu erfahren, sondern hier werden Malztreber und Würze voneinander getrennt. Als nächstes wird die Würze mit Hopfen gekocht, mhhh lecker. So langsam wird es was und unser Bierdurst meldet sich wieder. Aber noch etwas Geduld, wir arbeiten uns weiter durch die Brauerei-Keller und er- kunden die einzelnen Stationen. Ausschlagen kommt als nächstes. Was sich erstmal aggressiv anhört, ist eigentlich nur das Befreien des zukünftigen Bieres von übriggebliebenen Schwebstoffen, ein finales Filtern, bevor die Stammwürze fertig ist. Nachdem wir aus dem Sudhaus in den Gärkeller wechseln, fällt auf, wie riesig das Gelände ist. Hier in den 39 riesigen Lagertanks findet der Gärprozess statt. Bis zu 5.000 Hektoliter Bier pro Tank lagern hier unten und warten darauf, dass sie die richtige Reife erreichen. Viele Hefebakterien kümmern sich um die Gärung und haben wohl den einzigen Arbeitsplatz der Welt, an dem Alkohol erwünscht ist. Wir assistieren bei der Zwickelprobe. Ist das Bier schon reif genug, oder sollte man ihm noch ein wenig Zeit geben? Wir sind uns einig, dass man noch ein wenig Geduld haben sollte, bevor es an die Abfüllung geht. Jetzt ist uns alles klar. Was drei Jahre Bio in der Schule nicht ge- schafft haben, wird plötzlich sehr plastisch. Spannende Details und Hintergrundinformationen begleiten die Tour und machen den hochkomplexen, chemischen Prozess wirklich verständlich. Aber jetzt werden nicht nur die Gehirnwindungen, sondern auch die trockenen Hälse eingespannt und mit einem frisch gezapften Din- kelacker-Kellerbier belohnt. Fast fühlt man sich so, als hätte man dieses Bier ein Stück weit selbst gebraut und irgendwie schmeckt es dadurch noch viel besser. Zufrieden senken alle Teilnehmer ihre Nasen in den Schaum. Dann kommen wir im Eiskeller, dem ältesten Teil des Ge- bäudes zu den Menschen, die das Brauen hier überhaupt erst möglich gemacht haben. In diesem spannenden Gewölbe, wird die Geschichte der Dinkelacker-Schwaben Bräu Brauerei wieder richtig lebendig. Kaum vorzustellen, wie viel Einsatz damals gezeigt werden musste, um das gute Getränk herzustellen, ohne hochmo- derne Technik wie Maschinenhaus oder Bügelanlage, die man hier auch besichtigen kann. Aber wo ein Wille ist, ist eben auch ein Weg und so hat sich die Brauerei am selben Ort seit 1888 etabliert und heutzutage vor allem der Nachhaltigkeit verschrieben, ökologisch als auch wirtschaftlich. Um uns nach diesem Bier-Studium auch noch ein wenig der Praxis zuzuwenden, ziehen wir uns in Carl's Braukeller zurück. In dieser rustikalen Umgebung wird jetzt gekostet. Bier, Bier, Bier. Wohin das Auge reicht. Jetzt darf probiert und über Favoriten gefachsimpelt werden. Zufriedene Gesichter und bald auch rot- leuchtende Wangen sind das Ergebnis. Man kommt ins Gespräch und lässt noch einmal das aufgenommene Wissen Revue passie- ren. Aber Bier ist nicht nur Flüssignahrung, sondern wird hier auch auf der Speisekarte verarbeitet. Damit die fünf verkosteten (zuge- geben kleinen 0,1 l) Biere gut bekommen, gibt es auf Wunsch noch ein deftiges Essen. Wir wünschen das auf jeden Fall und lassen uns die Biertreberfleischküchle, Käsespätzle und grünem Salat schmecken. Rund und glücklich machen wir uns nach fast drei Stunden auf den Heimweg. Jedoch nicht ohne vorher stolz unser Bierdiplom in Empfang zu nehmen, dass uns offiziell bestätigt, Bierkenner zu sein. Ein Besuch in der Brauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu lohnt sich auch dann, wenn man eher Limonade oder Traubensaft zugeneigt ist. Interaktiv-spielerische Unterhaltung, die eine Menge über den Gär- und Herstellungsprozess sowie über die Geschichte eines echten Stuttgarter Traditionsunternehmens bietet, begleitet von kulinarisch-flüssigen Highlights. Wohl bekomm's! B R A U E R E I F Ü H R U N G I M Ü B E R B L I C K : Termine: Dienstag und Donnerstag Beginn: 18:00 Uhr Gesamtdauer: ca. 2,5 Stunden Start und Ziel: Carl’s Braukeller (Tübinger Straße 46) in der Brauereigaststätte Dinkelacker Teilnehmerzahl: max. 25 Personen je Gruppe Leistungen: Begrüßungsbier, Brauereiführung mit Zwickelprobe, Bierprobe in Carl’s Braukeller, Gastgeschenk, Bierkennerdiplom Preis: 17 Euro pro Person mit Essen 12 Euro pro Person ohne Essen W E I T E R E I N F O R M A T I O N E N : www.privatbrauerei-stuttgart.de/brauereifuehrung

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